Montag, 14. November 2016

Iglus, Berge und Alpakas: Weihnachts-Trip ins Erzgebirge

Auf dem Fichtelberg (Foto: © Maike Grunwald)
(Winterurlaub, Deutschland, gesponsorter Artikel) Schöner Adventsschmuck, herrliche Natur, alte Bergbautraditionen: Das Erzgebirge ist weltberühmt als "Weihnachtsland" - und wirklich, stimmungsvoller geht es kaum als in dieser Region in Sachsens Süden. 

Gleichzeitig hat Sachsen mittlerweile diesen schlechten Ruf. Fälle von Fremdenfeindlichkeit machen ratlos und schrecken auch viele Gäste ab. Das ist insgesamt eine traurige Entwicklung - und schade, wenn es um Sachsen als Reiseziel geht.  

Denn Sachsen hat so viel Schönes zu bieten. Zum Beispiel im Erzgebirge, das ich selbst erst kürzlich entdeckt habe. Neben Lichterglanz und Weihnachtszauber war auch Überraschendes dabei - seht selbst!


 Bimmelbahn und Lichterglück

 

Weihnachtspyramide in Annaberg (Foto: © Maike Grunwald)

„Glück auf!“ – mit diesem alten Bergmannsgruß empfängt man uns in der „Gaststub zr Bimmlbah“ („Gaststube zur Bimmelbahn“) in Neudorf im Erzgebirge. Mehr als 800 Jahre Bergbautradition haben die Region geprägt, den berühmten Weihnachtsschmuck und die besonderen Bräuche. Zum Beispiel die feierlichen Bergparaden, wenn die Bewohner auch heute noch im Berghabit durch die Orte ziehen.

Auch im Schwibbogen, der in der Weihnachtszeit fast jedes Fenster beleuchtet, ist der Bergmann eine wichtige Figur – so wie die Klöpplerin und der Schnitzer. Spitzenklöppelei und die Fertigung von Holzspielzeug wurden wichtig, als der Bergbau im 17. Jahrhundert fast zum Erliegen kam.


Klöpplerin und Lichterengel


Im Erlebnismuseum „Manufaktur der Träume“ in Annaberg bestaunen wir alte erzgebirgische Figuren, Weihnachtsschmuck und historisches Spielzeug, wie etwa diese winzige Klöpplerin:

Historisches Spielzeug: Klöpplerin (Foto: © Maike Grunwald)


In der „Drechslerei am Schwarzwasser“ in Jöhstadt fertigen Wolfgang Weigel und sein Sohn Robert hölzerne Lichterengel, Bergmänner, Krippen und Pyramiden noch nach altem Vorbild. Kein Kitsch, sondern handgefertigte Volkskunst nach erzgebirgischer Tradition, mit Motiven, Eitempera-Farben und Arbeitsweisen wie anno 1830.

Drechsler Robert Weigel mit handgefertigtem Werk (Foto: © Maike Grunwald)



Bilder aus Pflanzen


Faszinierende Kunstwerke aus Pflanzen schafft Christiane Schlüssel in der „Zipfelhaus-Werkstatt“ in Auerbach. Aus selbst gepressten Blüten, Blättern, Gräsern, winzigen Moosen und Farnen komponiert sie zierliche Tiere und Landschaften. Dabei belässt sie die Pflanzenteile in ihrer natürlichen Form. Blaue Krokusblätter werden zu Meereswellen, winzige Storchenschnabel-Fruchtstände zu Vogelschnäbeln und Kätzchen zu - Kätzchen natürlich.

Aus Blumen gemacht: Landschaft mit Vögeln (Foto: © Maike Grunwald)


Jedes ihrer fantasievollen Miniaturbilder, jede Grußkarte ist so einzigartig wie die winzigen Pflanzenteile, die sie selbst sammelt, trocknet und mit der Pinzette aufklebt. Vor über 70 Jahren lernte sie die Kunst von ihrer Mutter. Tricks zum Selbermachen verrät Christiane Schlüssel ihren Besuchern gern.

Pflanzenbild-Künstlerin Christiane Schlüssel (Foto: © Maike Grunwald)



"Schwarzarbeit" mit Räucherkerzen


Ich versuche mich erst einmal bei der Herstellung von Räucherkerzen in Crottendorf. Im „Räucherkerzenland“ kann man diesen erzgebirgischen Brauch erlernen und sich bei „legaler Schwarzarbeit“ die Finger schmutzig machen.

Zuerst knete ich den schwarzen Teig aus Holzkohle (als Brennmittel), Buchenholzmehl (für Rauch) und Speisestärke (als Bindemittel). Dann fügt jeder seinen Lieblingsduft hinzu, etwa Myrrhe, Tanne oder Weihrauch. Das Formen der kleinen spitzen Kegel ist Übungssache – meine geraten etwas krumm. Fünf Tage müssen sie trocknen, bevor ich sie in ein Räuchermännchen stellen und entzünden kann. 

Ein von Maike Grunwald Travelwriter (@maikegrunwald) gepostetes Foto am


Schneeschuhwanderung über alte Stollen


Nach so viel Handarbeit zieht es mich raus in die schöne Winterlandschaft! Bei einer Schneeschuhwanderung mit Naturführerin Kristina Härtel entdecke ich die Schönheit des Naturparks Erzgebirge. 

Damwild nahe dem Schreckenberg (Foto: © Maike Grunwald)


Die Gegend um den Schreckenberg ist von Silberbergbau geprägt. Birken leben auf Hügeln, die einst Bergleute aufwarfen, wie riesige Maulwürfe. Spuren von Fuchs und Hase führen durch den Schnee.

An manchen Stellen warnen Schilder vor Einsturzgefahr - so präsent ist der Bergbau hier noch heute.


 

Iglus und Ruinen


Auf einmal taucht ein Iglu vor uns auf, bewacht von einem Schneemann und seiner Gattin. Es ist meisterhaft gebaut, stelle ich drinnen fest. Schnell ein Autorenbild für den Artikel in der Zeitschrift GartenIDEE, für den ich hier bin - und weiter geht es.

Von der Ruine Schreckenberg blicken wir auf Annaberg und lauschen der Sage von Daniel Knappe, der einst hier bei Frohnau Silber fand. Tausende folgten dem „Berggeschrey“ und strömten als Bergarbeiter her. 

Iglu-Bild mit Schneeschuhen (Foto: © Maike Grunwald)


In der Bergschmiede


Im Besucherbergwerk „Markus Röhling“ reist man in die Zeit von 1733 bis 1857 zurück. Wir kehren in die malerische „Bergschmiede“ ein, heute ein gemütliches Gasthaus mit Gästezimmern und Ausstellung. Chefin Angelique Fleischer, die mit ihrem Mann, vier Kindern, Kater Dieter und Hund Carlo im 1768 erbauten Huthaus über dem Schacht lebt, ist gerade mit Gästen draußen beim Wintergrillen.

Wintergrillen am Pferdegöpel der Bergschmiede (Foto: © Maike Grunwald)


Im Restaurant wärmen wir uns am Kamin auf, bei köstlichem Essen und Weihnachtsbeleuchtung. Ihr kleiner Sohn Franz trägt heute Bergmannshabit. Ziegenbock Sepp und die Enten beobachten ihn, wie er mit dem Schlitten den Hang hinabsaust.

Franz im traditionellen Bergmannshabit (Foto: © Maike Grunwald)


Mit Dampf zur Traumweide


Mit Volldampf geht es dann weiter durch die verschneite Landschaft - mit der Fichtelbergbahn, einer historischen Dampfeisenbahn. Seit 1897 schnauft  sie durchs Erzgebirge. Kurz vorm Endbahnhof im Kurort Oberwiesenthal (Höhe: 893 m über NN!) rattert sie über das mächtige, 110 m lange und 23 m hohe Hüttenbachviadukt.

Eisenbahnromatik: Fichtelbergbahn (Foto: © Maike Grunwald)


Aber Moment, was sind das für flauschige Tiere am Hang? Es sind Alpakas, stellt sich heraus. Sie gehören zur „Traumweide Oberwiesenthal", wo Romy und Fritz, Alpaka-Züchter aus Leidenschaft, rund 90 dieser friedlichen, putzigen Tiere halten. 


Entzückend: Die Alpakas der "Traumweide" (Foto: © Traumweide.com)


Alpakas zum Knutschen


In ihrem Hofladen gibt es handgesponnene Alpakawolle, Bettdecken, handgestrickte Pullover, Mützen und Socken - unfassbar weich und gut isolierend. "In ihrer Heimat, den Anden, müssen die Tiere ja auch Temperaturen zwischen plus und minus 20 Grad aushalten", sagt Romy. "Und weil die Wolle außerdem von Natur aus schmutz- und schweißabweisend ist, tragen auch viele Bergsportler Wäsche aus Alpakawolle". 

Die wohl weichsten Socken der Welt (Foto: © Maike Grunwald)


Tatsächlich fühlt sich Schafswolle im Vergleich fast so rau wie Stahlwolle an, wenn man vorher Alpakawolle angefasst hat. Am schönsten ist es natürlich, die Tiere selbst zu streicheln - eigentlich schwierig, denn Alpakas sind meist eher scheu. Aber auf der "Traumweide" leben einige von Hand aufgezogene Tiere, die handzahm sind. Zum Beispiel der schwarzen Hengst August, den ich am liebsten gleich mitgenommen hätte.

Ein von Maike Grunwald Travelwriter (@maikegrunwald) gepostetes Foto am

Eine Glocke für Frieden und Einheit


Nicht entgehen lassen darf man sich den Blick vom Fichtelberg. Mit 1214 Metern ist er Sachsens höchster Berg und beliebtes Skigebiet. Er bietet tolle Aussichten, etwa zum Keilberg auf tschechischer Seite. Die Fichtelberg-Schwebebahn ist übrigens die älteste Luftseilbahn Deutschlands, sie ging 1924 in Betrieb und wurde 2013 saniert.

Die Friedesglocke auf dem Gipfel ist ein Denkmal für die Einheit Deutschlands - und soll, da ihr Läuten bis ins Nachbarland Tschechien schallt, auch für ein vereinigtes Europa erklingen.Frieden und Einheit - für mich die wichtigsten Werte, gerade in Zeiten wie diesen.

Die Friedensglocke auf dem Fichtelberg (Foto: © Maike Grunwald)



Weihnachtszeit bis Februar


Nehmen wir noch die Liebe dazu, womit wir wieder bei Weihnachten wären. Abends in Annaberg genieße ich den Lichterzauber in der Altstadt. Der Weihnachtsmarkt am Marktplatz geht bis 23. Dezember. Den Christstollen darf man hier im „Arzgebirg“ traditionell erst nach Heiligabend am 25. Dezember anschneiden, erzählt uns später in Neudorf Lutz Geißler. Der Geologe und Backblogger gibt auch Kurse, wie man erzgebirgischen Stollen backt. 

Dafür dauert die Weihnachtszeit hier wunderbar lang: bis Lichtmess am 2. Februar! Den ganzen Januar hindurch leuchtet also überall Lichterschmuck: Schwibbögen in allen Fenstern und die großen Weihnachtspyramiden, die an vielen Plätzen draußen aufgestellt sind.

Ziegenbock Sepp von der Bergschmiede (Foto: © Maike Grunwald)
 


Tipps und Informationen


Unterkunft
"Gasthof & Pension Brettmühle" Königswalde: Gemütliche, familäre Pension in schöner Umgebung zwischen Annaberg und Oberwiesenthal, www.brettmuehle.com

Übernachten kann man auch in Gästezimmern bei den folgenden beiden Gastgebern:

Alpaka-Hof
„Traumweide Oberwiesenthal“ - Alpaka-Zucht, Ferienwohnungen, Hofladen mit schönen Dingen aus Alpaka-Wolle, www.traumweide.com

Bergschmiede
Bergschmiede „Markus Röhling“ - Historische Gebäude, gemütliches Gasthaus, Gästezimmer, Ausstellung, www.facebook.com/Bergschmiede-Markus-R%C3%B6hling-130413387114177 und www.markus-roehling.homepage.t-online.de


Historisches Bergwerk 
Besucherbergwerk „Markus Röhling“ mit „Markus-Röhling-Stolln“, www.markus-roehling.com

Erlebnismuseum
„Manufaktur der Träume“ in Annaberg, Volkskunst, Weihnachtsschmuck und historisches Spielzeug, www.manufaktur-der-traeume.de

Schneeschuhwandern, Klöppeln und mehr
Geführte Schneeschuhwanderungen mit Naturführerin Kristina Härtel, Kreativ-Angebote wie Schnitzen, Klöppeln, Drechseln und mehr, www.erlebnisschmiede-erzgebirge.de


Christstollen-Kurse
Erzgebirgischen Stollen und Brot selbst backen lernen, www.brotbackkurse.de

Räucherkerzen selber machen
„Räucherkerzenland“  in Crottendorf, Räucherkerzen kaufen oder selber machen, Shop und Ausstellung, www.crottendorfer-raeucherkerzen.de



 
 Bergman, Drechslerei am Schwarzwasser (Foto: © Maike Grunwald)


Traditioneller Holzschmuck 
„Drechslerei am Schwarzwasser“, www.drechslerei-am-schwarzwasser.de

Grußkarten und Bilder aus Pflanzen 
„Zipfelhaus-Werkstatt“ in Auerbach, www.zipfelhaus.de



Auskunft
Tourismusverband Erzgebirge e.V., www.erzgebirge-tourismus.de

Ein von Maike Grunwald Travelwriter (@maikegrunwald) gepostetes Foto am


Hinweis: Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Erzgebirge e.V. Dieser Text beruht jedoch auf meiner eigenen Meinung. 

Anzeige: Dieser Blogpost wurde gesponsort von Jahn Reisen (www.jahnreisen.de). Dort kann man unter anderem auch Urlaub im Erzgebirge buchen. Thema, Text und Gestaltung des Artikels waren aber vollkommen frei mir überlassen. Dieser Blog folgt den Standards des Reiseblogger-Kodex. 

Ich bedanke mich bei den Kooperationspartnern für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit!

Copyright: Alle Texte und Fotos © Maike Grunwald (sofern nicht anders ausgewiesen). Abdruck und Online-Nutzung nur nach Absprache und gegen Honorar, Kontakt: www.maikegrunwald.com
 

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