Dienstag, 18. August 2015

Geheimtipp Bristol: Heimat von Banksy & Shaun, das Schaf

Auf dem St Nicholas Market in Bristol (Foto: © Maike Grunwald)
Alle strömen nach London, Brighton, Bath - aber wer fährt schon nach Bristol? Ich habe diese spannende und schöne Stadt rein zufällig entdeckt. Nur, weil meine Schwiegerfamilie in Wales lebt und der Flughafen Bristol für uns die günstigste Möglichkeit ist, um per Direktflug plus Zug dorthin zu gelangen. Dabei ist die historische Industrie- und Hafenstadt ein echter Geheimtipp für einen richtig guten Städtetrip. Einige Highlights verrate ich Euch hier.



Hafenstadt der Abenteurer


Die lebendige Universitätsstadt gilt unter Briten nicht umsonst als eine der spannendsten Großstädte in England. Möwenrufe hallen durch die alte Hafenstadt, die einer der Schauplatze von Stevensons oft verfilmten Abenteuerroman "Die Schatzinsel" ist. 

Obwohl besonders der historische Stadtkern im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde, schmücken jedes Viertel noch wunderschöne Bauwerke aus fast allen Architekturperioden, darunter Kirchen aus dem 12. Jh. oder Gebäude aus der Tudor-, georgianischen und viktorianischen Zeit. Ich mag besonders die großen, schmucken Backsteinbauten, die so typisch für englische Industriestädte sind. 

Typische Straße in Bristol (Foto: © Maike Grunwald)


Wo Banksy und Shaun das Schaf geboren wurden


Bis heute gilt Bristol, eine der sonnigsten Städte Großbritanniens, als besonders fortschrittliche Stadt. Sie wurde als besonders umweltfreundliche und grüne Metropole mit dem Titel European Green Capital 2015 ausgezeichnet, gilt als Hauptstadt der Musikszene der Gegenwart, Geburtsort des Trip-Hop und Hochburg der Graffiti- und Animationsfilm-Kunst. Überall sehen wir Graffiti: Bristol ist die Geburtsstadt des  weltberühmten Streetart-Künstlers Banksy. Er und seine Jünger haben sich an verschiedenen Mauern und Hauswänden verewigt. 

Schlimm, schlimm: überall Graffiti! (Foto: © Maike Grunwald)


Auch den beliebten Knetfilmfiguren Wallace & Gromit und Shaun das Schaf begegnen wir oft. Sie stammen ebenfalls aus Bristol und sind inzwischen eine Art Maskottchen der Stadt. Die Aardman-Studios, in denen die Animationsfilme entstehen, bieten zwar keine Touren für Touristen in ihren geheimen Hallen an, dafür aber eine interaktive Ausstellung im auch sonst sehenswerten Museum "Bristol Science Center".

Shaun In The City - Film-Star mit Herz

Shaun, einer meiner Lieblings-Filmstars, hat dieses Jahr einiges zu feiern, zum Beispiel sein 20. Jubiläum als TV-Celebrity. 1995 hatte er sein Debut als Nebendarsteller in der Serienfolge "Wallace und Gromit - Unter Schafen" und wurde über Nacht zum Star. Im Frühjahr wurde er dann mit seinem ersten Spielfilm "Shaun das Schaf - der Film" zusätzlich zum Kino-Erfolg. Wenn am 27. August der Film auf DVD erscheint, wird Shaun sicher auch zum Homekino-Helden.
 
Derzeit wimmelt Bristol von kunterbunten Shaun-Figuren, denn das berühmte Schaf ist Schirmherr der Wohltätigkeits-Aktion "Shaun In The City", die kranken Kindern zugute kommt. An mehr als 60 Orten können Besucher bis zum 31. August Shaun-Statuen in vielen Farben bewundern, gestaltet und gestiftet von Künstlern und Stars. Dazu gibt es "Design Your Own Shaun"-Wettbewerbe in verschiedenen Gemeindehäusern und anderen Institutionen. Vom 12.-20. September findet in Bristol eine große Ausstellung mit 120 Shaun-Figuren statt. Die Aktion steigt zugunsten der Charity "The Grand Appeal", die Kinder-Krankenhäuser in Bristol unterstützt. 

 Einer meiner Lieblings-Fimstars: Shaun das Schaf (Foto: PR / Studiocanal / © Aardman Animations)


Bristols Geschichte: Sklavenhändler und ihre Gegner


Auf Schritt und Tritt begegnen wir auch Spuren von Bristols bewegter Geschichte. So war die bedeutsame Hafenstadt im 18. Jahrhundert ein Zentrum des Sklavenhandels, aber auch eine Aktionsstätte von dessen Gegnern. Eine der schönsten alten Villen Bristols, The Georgian House, wurde einst für einen reichen Plantagen- und Sklavenbesitzer erbaut. Sein Haussklave Pero, der fast sein ganzes Leben in Bristol verbrachte, gilt heute als Symbolfigur. Nach ihm wurde die Brücke Pero's Bridge benannt. Die Villa ist heute ein Museum. 

Spanned ist auch ein Besuch von John Wesley's Chapel - The New Room, Wirkungsstätte eines der prominentesten frühen Gegner der Sklaverei. Der Prediger John Wesley, Gründer der Methodisten, ließ es 1739 als Haus für seine Gemeinde erbauen. Heute gilt das Gebäude als älteste Methodistenkirche der Welt. Einen Spaziergang durch Bristol auf den Spuren der Anti-Sklaverei-Bewegung gibt es hier als PDF (erstellt von der BBC).

Bristol Ferry: Mit dem Wassertaxi durch die Stadt


Die beste Art, Bristol zu entdecken, ist eine Fahrt mit dem Wassertaxi Bristol Ferry auf dem Fluss Avon. Wie gönnen uns den Spaß jedes Mal. Los geht’s direkt an der Bahnstation Temple Meads. Dort starten auch Shuttle-Busse zum Flughafen und Züge nach Wales, weshalb wir dort in der Nähe immer übernachten. Das blumengeschmückte historische Bahnhofsgebäude, das mit seinen Türmchen an ein Schloss erinnert, ist einer meiner Lieblings-Bahnhöfe. Bei nächtlicher Beleuchtung ist es ein schönes Fotomotiv. 

Die Ferry-Anlegestelle liegt nur fünf Gehminuten vom Bahnhof unten am Fluss. Tickets kaufen wir direkt auf dem Boot bei den netten Schaffnern, die während der Fahrt auch gerne Interessantes über die Stadt erzählen, wenn man fragt. Mit einer Tageskarte für sechs Pfund können wir nicht nur beliebig oft die gesamte Fahrt vom Bahnhof zum Stadtzentrum und zurück unternehmen, sondern auch an jeder Station aussteigen, umherlaufen und wieder einsteigen. Manchmal bleiben wir auch einfach sitzen und genießen die 40-minütige Rundfahrt. 

Bristol Ferry: Hier könnte ich den ganzen Tag verbringen (Foto: © Maike Grunwald)



Weltberühmte Schiffe und Brücken


Das Ferry-Tagesticket gilt außerdem für die zweite Wassertaxi-Rundtour (Umsteigestation: "City Center", reine Fahrtzeit: ebenfalls 40 Minuten). Damit gelangt man unter anderem zu dem historischen Dampfer Great Britain, der heute als Museumsschiff an seinem Original-Baudock zu besichtigen ist. Er ist das erste Schiff aus Eisen mit Propellerantrieb, das jemals den Ozean überquerte – im Jahre 1845! 

Anschließend können wir mit dem Wassertaxi weiter bis zum Stadtviertel "Hotwells" schippern, einst ein eigener Badeort mit heißen Quellen. Heute gehört es zum eleganten Bezirk "Clifton Village" mit seinen schönen alten Häusern, edlen Boutiquen, kleinen Cafés und Bristols Wahrzeichen: Die "Clifton Suspension Bridge", erbaut 1864, ist eine 412 lange Kettenbrücke. Sie spannt sich auf spektakuläre Weise über die Schlucht des Avon, der 75 Meter unter ihr fließt. Am 1. April 1979 war sie Schauplatz des ersten modernen Bungee-Sprungs.


Polizeipferde streicheln im Castle Park


Oft nehmen wir aber auch nur ein einfaches Ticket für die fünfminütige Ferry-Fahrt vom Bahnhof Temple Meads zum nächsten Stop: Castle Park, einer meiner Lieblingsorte zum Entspannen. Auch Bristols Bewohner setzen sich gern mit ihrem Lunch-Paket in die schöne Grünanlage am Fluss, auf der moderne Skulpturen neben Überresten der alten Burg stehen und gut gelaunte Polizisten auf netten Pferden nach dem Rechten sehen

Über uns thront die Ruine St Peter's Church, eine schöne Kirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und heute als Denkmal besteht. Hinunter blicken wir auf den schwimmende Garten "Seeds of Change": Das Öko-Kunst-Projekt von einer brasilianischen und einer deutschen Künstlerin blüht auf dem Wasser des Avon.

Gut gelaunte Polizistinnen im Castle Park in Bristol (Foto: © Maike Grunwald)


Shoppen & schlemmen auf dem St Nicholas Market


Castle Park erstreckt sich vom Fluss mit seinem "Floating Harbour", dem "Schwimmenden Hafen", bis zu den Vierteln des "Bristol Shopping Quarter" mit Hunderten von verschiedenen Geschäften. 

Von hier schlendern wir zum traditionellen St Nicholas Market, den es seit 1743 gibt (Montags bis Samstags). In den vielen originellen kleinen Lädchen finden wir tolle Geschenke und essen leckere kleine Mittagesgerichte aus aller Welt vor der schönen Kulisse Georgianischer Bauten. Um den eigentlichen St. Nicholas Markt herum gesellen sich je nach Wochentag verschiedene weitere Märkte, darunter der Farmer's Market ("Bauernmarkt") mit Spezialitäten aus der Region (immer Mittwochs) oder der Nails Market (Fr.-Sa.) mit zum Teil verrückten Geschenkartikeln und Kunsthandwerk. 

In den Markthallen und ringsum: Auf dem St Nicholas Market in Bristol gibt es einfach alles (Foto: © Maike Grunwald)



Berühmte Kirchenkatze


Zu unserem Bristol-Ritual gehört immer auch eine Spaziergang zur berühmten Pfarrkirche St. Mary Redcliffe Church, in der es auch ein Café gibt. Die Besichtigung der gotischen Kathedrale, einer der größten in England, ist frei, eine Spende jedoch erbeten. 


St Mary Redcliffe Church in Bristol (Foto: © Maike Grunwald)


Freundliche Gemeindemitglieder erklären Besuchern gern die 800-Jährige Geschichte und zeigen das Grab der legendären Kirchen-Katze "Tom The Church Cat" (1912-1927), um die sich niedliche Anekdoten ranken - mehr dazu demnächst hier im Blog. 

Grabstein der legendären Kirchenkatze von St Mary Redcliffe Church (Foto: © Maike Grunwald)



Lieblings-Inder statt Nightlife-Tour


Jedes Mal nehmen wir uns vor, Bristols reiches Nachtleben zu erkunden mit seinen vielen Pubs, Livemusik-Kneipen und Clubs. Jedes Mal bleibt es bei der Idee. Schuld ist das fantastische Essen bei unserem Lieblings-Inder, wo wir immer stundenlang schlemmen, bis wir uns nicht mehr bewegen können.

Das auch in Zeitungen hoch gelobte Restaurant Raj Mahal City (Clarence Road 69) bietet aber auch so richtig gutes indisches Essen, wie man es außerhalb von Indien nur in Großbritannien findet. Von unserem Hotel am Bahnhof Temple Meads erreichen wir es in nur 10 Minuten Fußweg. Seine Lage zwischen Uferstraße und Wohnblocks ist zwar nicht besonders vertrauenserweckend, innen offenbart es sich dann aber als Schlemmer-Tempel mit fast schon peinlich zuvorkommendem Service und klasse Essen, das auch noch günstig ist. Sonntags gibt es ab Mittags bis elf Uhr nachts ein All-You-Can-Eat-Buffet mit riesiger Auswahl von Gerichten für weniger als 11 Pfund pro Person. 

Großer Bahnhof: Bristol Temple Meads bei Nacht (Foto: © Maike Grunwald)


Von Bristol nach Wales


Am nächsten Tag geht es dann weiter nach Wales: Mit dem Zug fahren wir  zuerst nach Swansea und dann auf abenteurliche Weise weiter bis zu dem kleinen Ort an der Küste von Carmarthenshire, wo meine Schwiegerfamilie wartet - und jede Menge spektakuläre Burgruinen, normannische Kirchen, grüne Hügel und blökende Schafe.

Kidwelly Castle in Südwales (Foto: © Maike Grunwald)


Hier geht's zu meinem Artikel "Bilderreise: Burgen und Legenden in Südwales, Teil 1"

Hier geht's zu meinem Artikel "Bilderreise: Burgen und Legenden in Südwales, Teil 2"

Hier geht's zu meinem Artikel über Brighton.

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Alle Fotos und Texte © Maike Grunwald, www.maikegrunwald.com